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Gaissmayer-Lexikon

Begriffs-Lexikon - Lebensbereiche

Ein gutes Gedeihen von Stauden hängt ganz entscheidend vom richtigen Standort ab. So "verbrennen" viele Schattenstauden beispielsweise, wenn sie in die pralle Sonne gepflanzt werden. Will man eine neue Staudenpflanzung anlegen, sollte also zunächst der Standort analysiert werden, um dann im Nachgang die passenden Stauden auszuwählen.
Zur Charakterisierung der Ansprüche von Stauden an ihre Umgebung hat sich das System der "Lebensbereiche" nach Hansen/Stahl bzw. Sieber durchgesetzt. Für jede Staude werden Angaben zu den (natürlichen) "Lebensbereichen" gemacht, die wiederum Aufschluss darüber geben, welche Standortverhältnisse bzw. Wuchs-Orte von der Pflanze bevorzugt werden und welche Feuchtigkeits- und Lichtverhältnisse vonnöten sind. Die einzelnen Lebensbereiche werden durch eine Aneinanderreihung von Kürzeln dargestellt:

Lebensbereiche
GR Gehölz-Rand
B Beet
H Freifläche mit Heide-Charakter
FS Fels-Steppe
SF Stein-Fugen
A Alpinum
W Wasserpflanzen
Feuchtezahlen
2 frischer Boden
4 nasser Boden (Sumpf)
6 Schwimmblattpflanzen (verwurzelt)
8 Schwimmpflanzen
Lichtverhältnisse
abs absonnig
sch schattig

Anhand nachfolgender Abbildung werden die Angaben zu den Lebensbereichen bildlich dargestellt und erläutert (zum Ausdrucken als pdf-Datei):

Lebensbereiche

Die Angaben zum Lebensbereich sind als Empfehlung und Hinweis für eine richtige Verwendung der Stauden zu verstehen. Selbstverständlich können sie nicht das Wissen um sämtliche Faktoren ersetzen, die eine gelungene und funktionierende Staudenpflanzung ausmachen.

 

Lese- und Interpretationshilfe
Hier einige beispielhafte Erläuterungen im Sinne einer "Lese- bzw. Interpretationshilfe" der von uns zur Verfügung gestellten Lebensbereich-Angaben:
  • Aconitum napellus - Berg-Eisenhut
    Das Lebensbereich-Kürzel lautet: "GR/Fr2-3 abs-so". Die Pflanze lässt sich demnach auf Freiflächen sowie am Gehölzrand verwenden, wobei der Boden keinesfalls zu trocken sein sollte und damit der warme, sonnige Gehölzrand als Standort genauso ausscheidet wie eine Pflanzung im Bereich flach wurzelnder, stark Schatten spendender Gehölze.
    Diese Einschätzung bestätigt sich, wenn man die natürliche Verbreitung der Pflanze kennt: Sie kommt auf freien Gebirgsfluren und in lichten Bergwäldern vor, vor allem auch an Quellen und Bächen. Nährstoffreiche, lehmhaltige, feuchte Böden stellen die Basis für ein gutes Gedeihen dar. Damit ist klar, dass die Gebirgspflanze eher kühle als warme Temperaturen bevorzugt und eine hitzegeladene Situation vor einer Südfassade oder trockene Standorte im Wurzelfilz von Gehölzen nicht die passenden Rahmenbedingungen liefern.
    Dass die Pflanze weiterhin sehr stark giftig ist und sich hervorragend zum Schnitt verwenden lässt, ist den Angaben zum Lebensbereich (genauso wie die Herkunft der Stauden) nicht zu entnehmen. Es lohnt sich also, in den Detail-Artikel-Texten nach derartigen weiterführenden Infos zu stöbern, um die Verwendungsmöglichkeiten einer Pflanze noch besser einschätzen zu können. (Eisenhut wird man also nicht unbedingt in den Garten holen, wenn Kleinkinder im Haushalt leben. Fürchtet man die Giftigkeit der Pflanze nicht, so kann die Pflanze aufgrund ihres dekorativen Erscheinungsbildes jedoch nicht nur in eine Wildstaudenpflanzung passen, sondern durchaus auch in einer Beetpflanzung - mit prächtigen Stauden kombiniert - verwendet werden.)
  • Thymus serpyllum - Sand-Thymian
    Der Lebensbereich "St/M/Fr/H1 so" deutet darauf hin, dass die Pflanze auf trockenen, vollsonnigen Standorten und tendenziell kargen Böden zurechtkommt. Steinige Situationen stellen für den Sand-Thymian keine allzu große Herausforderung dar, er überwächst sogar Steinflächen (Matten). Gut zu wissen ist, dass die Pflanze eher bodensaure Bereiche bevorzugt, also auch für Heidepflanzungen (H) bestens geeignet ist.
  • Eine im Zusammenhang mit der Gestaltung von Hausgärten häufig gestellte Frage lautet: Wie gestalte ich die (schattige) Nordseite? Welche Pflanzen kommen dort zurecht? Hierauf gibt das Konzept der Lebensbereiche keine direkte Antwort. Stattdessen muss überlegt werden, wie sich die Nordseite des Hauses präsentiert. In der Regel lassen sich Pflanzen des Lebensbereiches "GR2 hs" gut verwenden. Sind größere Gehölze mit von der Partie, sind außerdem Stauden des Lebensbereiches "G" gefragt.
  • Zu beachten ist generell, dass sich die Situation unter Umständen innerhalb weniger Beetmeter stark ändern kann. Ist beispielsweise die direkte Nordseite eines Gebäudes fast ständig verschattet, kann schon nach wenigen Metern Abstand zu einem ein- bis zweigeschossigen Gebäude wieder beträchtliche Besonnung stattfinden. Auf kleinstem Raum muss also Übergangssituationen Rechnung getragen werden. Schattenstauden werden von Halbschatten liebenden Stauden abgelöst. Und noch ein paar Meter weiter können bereits Sonne liebende Stauden aus dem Lebensbereich "Fr" gedeihen, sofern keine Verschattung durch Nachbargebäude, Hecken oder Gehölze erfolgt. Die Lebensbereiche sind also in aller Regel miteinander verwoben und klare Grenzen nur schwierig zu ziehen. Eindrucksvoll lässt sich dieses Phänomen anhand von Funkien (Hosta) nachvollziehen. Abgesehen davon, dass es einzelne Arten/Sorten gibt, die recht viel Besonnung tolerieren, können für die Schatten liebenden Sorten auf der Nordseite eines Hauses 2-3 Meter Standortverschiebung eine immense Wirkung ausmachen: Die Pflanzen fühlen sich entweder wohl oder können unter Sonnenbrand leiden, sofern beispielsweise eine kräftige  Nachmittagsbesonnung existiert.
    Viele andere Stauden haben aber eine sehr viel größere Toleranz und damit eine deutlich größere Standortamplitude als Funkien, so dass sich Übergangssituationen zwischen einzelnen Lebensbereichen in der Regel bestens gestalten lassen.
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